Eine schöne Tradition: Einsame wortkarge Männer, die zu den Waffen greifen, um das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Auge um Auge, Zahn um Zahn und immer schön die bösen Buben umbringen. Charles Bronson hat’s gemacht, Clint Eastwood auch und jetzt ist Sir Michael Caine mal wieder dran mit dem blutigen Vigilantentum. “Harry Brown” lädt durch. Und “Get Carter” sieht dabei ganz blass aus.
Bei einigen Zeitungen aus der britischen Heimat kam “Harry Brown” überhaupt nicht gut an. Ein Kritiker des liberalen “The Independent” störte sich zum Beispiel an einer Szene, in der ein kahlköpfiger Drogendealer einen jungen Kriminellen sexuell missbraucht und während des Drive-In-Blaskonzertes jäh durch einen Kopfschuss aus der Pistole des älteren Gentleman unterbrochen wird. Immer dieses Schwarz-Weiß-Gezeichne und überhaupt sind nicht alle Drogendealer Mörder oder ähnliches, haderte der Rezensent. Diesem Feingeist sei gesagt: Selbstjustizfilme sind keine Tupperparty. Und schon überhaupt nicht politisch korrekt. Und übrigens: Sie waren noch nie eine Anleitung zum Selbermachen.
Rache ist ein Gefühl, das wohl jeder Mensch (abgesehen vom Dalai Lama) kennt, und genau deshalb funktionieren diese wunderbar primitiven Streifen so gut.
Glücklicherweise hat “Harry Brown” von Jung-Regisseur Daniel Barber (der für seinen Kurzfilm “The Tonto Woman” 2008 für den Oscar nominiert war) einfach alles, was ein guter Racheschinken braucht: Einen gnadenlosen Helden, jede Menge Bösewichte und ausreichend Waffen.
Unser Held heißt in diesem Fall (Achtung, Überraschung!) Harry Brown. Der ehemalige Marinesoldat lebt in einer runtergekommenen Plattenbausiedlung in London. Während seine Frau im nahen Krankenhaus dahinsiecht, beherrschen draußen brutale Drogenkids die Gegend. Als Harrys bester Kumpel von den minderjährigen Schlägern umgebracht wird, packt Mr. Brown sein Messer aus und geht auf die blutige Pirsch. Zwar ist der erste Tote noch mehr dem Zufall geschuldet, doch der rüstige Rentner findet schnell gefallen an der Selbstjustiz und legt eifrig nach.
Sir Michael Caine spielt diesen “Harry Brown” ansehnlich böse, verstört und verbittert. In einer Nebenrolle gefällt Emily Mortimer als Polizistin, der unser Mann vom “The Independent” ankreidete, sie sei nicht hart genug für die Rolle und dann auch noch so ineffektiv in Sachen Polizeiarbeit. Soviel zum Thema Schwarz-Weiss.
“Harry Brown” hat bislang keinen deutschen Starttermin.
Trailer von “Harry Brown”
Trailer von “The Tonto Woman”





