A Serious Man:
Um Gottes Willen

18. Januar 2010
By Couchmonster

Die Coen-Brüder auf den Spuren von Woody Allen und ihrer eigenen Jugend. Es geht um Gott, den Tod, jüdische Akademiker und viele Rabbis. 100-mal besser produziert als jeder Film des New Yorker Stadtneurotikers und doch nur selten unterhaltsam.

Why So Serious?

“A Serious Man” ist eine intellektuelle Version des Foltermachwerks “Hostel”. Das Publikum muss sich 105 Minuten lang ansehen, wie Larry Gobnik (Michael Stuhlbarg) im Jahr 1967 Höllenqualen erleidet. Eigentlich möchte der spießige Physikprofessor alles richtig machen. Er möchte ein gottgefälliger Mann sein, ein “serious man”. Doch niemand meint es gut mit ihm, nicht einmal der sonst so liebe Gott. Gobniks Frau will die Scheidung, die Tochter klaut sein Geld, der Sohn raucht Joints und Gobniks psychisch kranker Bruder hat sich auf der Couch eingenistet. Auch an der Uni gibt es nur Probleme. Doch das Schlimmste: Von den zahlreichen Rabbis, die Gobnik um seelischen Beistand bittet, erhält der gepeinigte Mann nur Phrasen und sinnlose Geschichten statt Lebenshilfe.

Joel und Ethan Coen haben viele großartige Filme gemacht. “Fargo”, “The Big Lebowsky” oder auch “No Country For Old Men” sind Klassiker. Aber sie haben auch einige schlechte in ihrer Biografie. “The Man Who Wasn’t There”, “The Ladykillers” und “Burn After Reading” gehören nicht zu ihren stärksten Produktionen. “A Serious Man” ist ebenfalls kein Highlight. Und das trotz großartiger Schauspieler wie Stuhlbarg, Fred Melamed, dem staubtrockenen Adam Arkin oder der genialen Kamera von Roger Deakins.

Bei “A Serious Man” wird nicht nur die Leidensfähigkeit des armen Gobnik auf die Probe gestellt, sondern auch die der Kinozuschauer. Man wünscht sich, dass der arme Mann endlich mal sein Leben in den Griff kriegt. Und wartet und wartet und wartet. Bis dann die eigentliche Pointe kurz vor Schluss doch noch auftaucht … und enttäuscht.

Es gibt eine handvoll Momente, die den neuen Coen-Film für kurze Zeit erträglich machen. Das meiste davon findet sich bereits im brillanten Trailer. Wenn Gobniks Alptraumsequenzen und die Bar Mitzvah seines Sohns noch darin Platz finden würden, dann hätte man tatsächlich schon alles gesehen.

Die meisten Kritiker lieben diesen Film. Ich nicht. Wenn die Coen-Brüder das nächste Mal über ihre Jugend in der Spießeridylle der sechziger Jahren reflektieren möchten, dann sollten die beiden Herren lieber eine Therapie und keinen Film machen.

Trailer von “A Serious Man”

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2 Responses to A Serious Man:
Um Gottes Willen

  1. ancore on 18. Januar 2010 at 16:38

    Ich finde, ‘The Man Who Wasn’t There’ hat einiges zu bieten. Mir gefiel er nach mehrmaligem Sehen richtig gut. A Serious Man werde ich aber vermutlich auslassen. Das Thema hört sich sehr öde an.

  2. Couchmonster on 18. Januar 2010 at 17:33

    Ich habe den (“The Man …”)nur einmal gesehen … war wirklich nicht meins. Aber er war tatsächlich in meinen Augen besser als “A Serious Man”.

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