Post-Apokalypse Now: „The Road“ vs. „The Book of Eli”

24. Januar 2010
By Couchmonster

Die Zeit nach der großen Katastrophe ist derzeit sehr beliebt. Mit „The Road“ und „The Book of Eli“ kommen gleich zwei Produktionen in die Kinos, in denen es nur ums nackte Überleben geht. Doch was taugt die neue Post-Apokalypse?  Die Antwort gibt der ultimative Couchmonster-Endzeit-Vergleich.

Die Angst geht mit - The Road

Die Story:

„The Road“

Die Erde liegt nach einer großen Katastrophe in Schutt und Asche. Fast die gesamte Bevölkerung der USA ist vernichtet, es gibt keine Tiere und keine gesunden Pflanzen mehr. Zehn Jahre nach dem Weltenbrand wandert ein Vater (Viggo Mortensen) mit seinem Sohn (Kody Smit-McPhee) durchs Land in Richtung Küste, immer auf der Suche nach Nahrung, Wasser und einem sicheren Platz für die Nacht. Der Film basiert auf den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy, der ebenfalls „No Country for Old Men“ schrieb.

„The Book of Eli“

Die Erde liegt nach einer großen Katastrophe in Schutt und Asche. Fast die gesamte Bevölkerung der USA ist vernichtet, es gibt kaum noch Tiere und keine gesunden Pflanzen mehr. 30 Jahre nach dem Weltenbrand wandert ein Mann namens Eli (Denzel Washington) mit einem Buch (Die Bibel) durchs Land in Richtung Westen.

Das Böse:

„The Road“

Die Gefahr lauert überall. Banden von degenerierten Rednecks ziehen durchs düstere Land und suchen andere Menschen, die sie verspeisen und vergewaltigen können. Oder sie halten sich ihre Opfer in dunklen Kellern, um sie frisch fürs Abendbrot zu schlachten.

„The Book of Eli“

Gary Oldman spielt in altbewährter Manier den Schurken Carnegie. In der besten Spagetti-Western-Tradition (zweimal pfeift man sogar eine Morricone-Melodie) nennt er eine kleine Stadt sein Eigen und hat es auf die Bibel abgesehen. Für ihn ist das Buch der Schlüssel zur Weltherrschaft. Weiterhin gibt es in „The Book of Eli“ ein älteres Paar Kannibalen mit Musikgeschmack („Ring My Bell“ von Anita Ward) und Mutanten-Gangs als Kanonenfutter.

Die Action:

„The Road“

Der Mann hat zu Beginn nur noch zwei Patronen für seinen Revolver. Dementsprechend wenig wird geschossen. Dafür müssen Vater und Sohn ständig in Deckung gehen, weglaufen und in dunkle Keller kriechen.

„The Book of Eli“

Eli ist eine Ein-Mann-Kampfmaschine mit riesiger Machete, einer Pistole sowie einer dicken Schrotflinte. Und Carnegie hat ordentlich Gefolgsleute, die er dem einsamen Bibelmann vor die Flinte schicken kann. Dazu kommt noch ein wenig Endzeit-Auto-Action im Stil von „Mad Max 2“. Die meisten Kampfsequenzen sind wirklich sehenswert.

Die Spannung:

„The Road“

Kaum auszuhalten. Man fĂĽrchtet die ganze Zeit um das Leben der beiden Hauptfiguren und beginnt im Laufe des Films, genau wie der Vater, niemandem mehr zu trauen. Massenparanoia fĂĽrs Kinopublikum.

„The Book of Eli“

Kaum auszumachen. Mehr Action als Suspense.

Der Stil:

„The Road“

Realistisch. Dauerregen, schmutzige Straßen, verbrannte Bäume und trostlose Leben.

„The Book of Eli“

Mad-Max-Western-Mix. Gasmaskenträger mit Kettensägen, umgebaute Geldtransporter und viele Knarren, Messer usw. Peinlich: Schlimmes Productplacement von Apple (iPod) und Motorola.

Die Regisseure:

„The Road“

John Hillcoat. Der eher unbekannte Australier hatte 2005 mit dem Film „The Proposition“ (Drehbuch: Nick Cave) auf sich aufmerksam gemacht.

„The Book of Eli“

Die Gebrüder Hughes. Die beiden Jungs haben 1993 mit “Menace II Society” einen meiner Lieblingsfilme abgeliefert. Ihre Comic-Adaption „From Hell“ (2001) war eher schwach. Danach verschwanden sie mehr oder weniger von der Bildfläche.

Die Schauspieler:

„The Road“

Qualität, statt Quantität. Viggo Mortensen, Robert Duvall, Guy Pierce, Charlize Theron und Michael K. Williams (Omar aus “The Wire”).

„The Book of Eli“

Denzel ist gut, der Rest Stangenware. Gary Oldman spielt den Bösewicht wie immer, Ray Stevenson als sein Gehilfe bleibt blass. Schön ist das Wiedersehen mit Jennifer „Flashdance“ Beals. Schlechteste Frisur: Malcolm McDowell.

Die Kasse:

„The Road“

Einspielergebnis weltweit (Stand 24.01.2010, seit 58 Tagen in den Kinos) – 11.635.751 Dollar. Produktionskosten: keine Angaben.

„The Book of Eli“

Einspielergebnis weltweit (Stand 24.01.2010, seit acht Tagen in den US-Kinos) – 49.933.000 Dollar. Produktionskosten: 80 Millionen Dollar.

Das Fazit:

„The Road“

Eindeutig der bessere Film. Muss man mehrmals sehen. Furchterregend und hart. Die wenigen extremen Bilder zeigen Wirkung und erzeugen wirkliche Angst. Nichts fĂĽr sanfte GemĂĽter. Ich brauchte ein Taschentuch am Ende.

„The Book of Eli“

Guter Actionfilm, der wenig Neues bietet und sich irgendwann über jede Logik hinwegsetzt. Insbesondere der Schluss kommt sehr plötzlich daher. Popcorn-Kino.

Die Trailer:

„The Road“

„The Book of Eli“

Deutschlandstart:

“The Road” – 13.05.2010

“The Book of Eli” – 18.02.2010

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4 Responses to Post-Apokalypse Now: „The Road“ vs. „The Book of Eli”

  1. Lou on 25. Januar 2010 at 10:43

    Oh, da werde ich ganz feucht. Hatte mir ja gerade “The Road” von ancore ausgeliehen und hab im Trailer sofort ein paar Szenen wieder erkannt. FĂĽr mich ein Pflicht-Termin dieses Jahr.

    Book of Eli werde ich mir wahrscheinlich nicht ansehen, eventuell auf DVD. Grundsätzlich mag ich fast jede Art von Endzeitfilmen, hier stört mich allerdings die Bibel sehr. Ich hasse sowas. Sehr amerikanisch.

    “The Road” ist als Buch wirklich groĂźartig und ich hoffe der Film wird genauso. Da fällt mir ein, dass bei mir noch drei Buch Rezensionen ausstehen.

  2. raymccoy on 31. Januar 2010 at 12:10

    Danke fĂĽr den ausfĂĽhrlichen Vergleich. Mich interessieren beide Filme weiterhin sehr. Das Buch “The Road” lege ich mir evtl. auch zu.

  3. kinomeister on 23. Februar 2010 at 18:10

    Habe mir Book of Eli am letzten WE angeschaut. Brauch dem oben geschrieben nichts mehr hinzuzufĂĽgen.Warte auch schon auf The Road ( auch wenn ich mich nicht mehr freuen wollte auf Filme :-) ) )

  4. muckdesign on 13. Dezember 2010 at 15:33

    Mit “The Road” sah ich einen der eindruckvollsten Filme meines Lebens. Die aufgebaute Furcht und Hoffnungslosigkeit dieser Story ist (alp)traumhaft realisiert, jede Geste, jedes Wort der Akteure passt perfekt, die Musik von Nick Cave vervollständigt diesen filmischen Schatz.
    Ich hab mehr als einmal mit den Tränen gekämpft, das muss ich ehrlich sagen. Und da ging es mir nicht als einziger so. Selten habe ich es erlebt, das ungestüme Jugendliche mit Partylaune nach kaum 10 Minuten verstummten und gebannt der Story folgten!

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