Invictus:
United Colors of Eastwood

1. Februar 2010
By Couchmonster

Nelson Mandela vereint Schwarz und Weiß in Südafrika mit Hilfe einer Weltmeisterschaft. Clint Eastwoods Sommermärchen von der Rugby-WM 1995 ist voller Pathos und selbstverständlich politisch korrekt. Ein guter Sportfilm, auch wenn er ein kleines, aber wichtiges Detail einfach mal unter den Tisch fallen lässt.

"Ich hoffe, du hattest gestern nicht den Fisch!" "Nein, Mr. President."

Clint Eastwood braucht nur eine Straße, um die Apartheid gleich zu Beginn von “Invictus” ins rechte Licht zu setzen. Auf dieser fährt am 11. Februar 1990 ein Autokorso mit Blaulicht. Während auf der einen Straßenseite die schwarzen Kinder, die eben noch auf einem Acker ohne Schuhwerk Fußball spielten, jubelnd an den Zaun rennen, herrscht gegenüber auf dem wunderschön gepflegten Sportplatz gespenstische Stille. Die weiße Rugbyjugend blickt ungläubig den Fahrzeugen hinterher. Wer das sei, fragt einer der Jungs den Trainer. “Es ist der Terrorist Mandela”, antwortet der Glatzkopf mit bösem Blick. “Sie haben ihn freigelassen”

Vier Jahre später wird der Terrorist, der 24 Jahre in Gefangenschaft verbrachte, zum südafrikanischen Präsidenten gewählt. Die meisten Weißen haben Angst vor den Schwarzen und die meisten Schwarzen wollen es den ehemaligen Unterdrücker ordentlich heimzahlen. Nelson Mandela möchte aber versöhnen. Sein Plan: Südafrikas Rugby-Team gewinnt die Weltmeisterschaft im eigenen Land und alles wird gut.

Natürlich ist das zunächst eine Schnapsidee, denn Rugby ist der Sport des weißen Mannes und die Nationalmannschaft -- die Springböcke -- sind ein Symbol für die Schrecken der Apartheid. Deshalb zieht Mandela (Morgan Freeman) einfach Francois Pienaar (Matt Damon), den Kapitän des Teams, auf seine Seite und tatsächlich gewinnt die eigentlich chancenlose Truppe nicht nur das WM-Finale gegen den übermächtigen Gegner Neuseeland, sondern auch die Herzen der gesamten südafrikanischen Bevölkerung. Spätestens dann sollte jedem Zuschauer klar sein: “Invictus” ist ein erstklassiger Sportfilm und keine Mandela-Biografie.

Noch heute zählt der Moment, in dem Nelson Mandela 1995 den Weltmeisterpokal an seine Jungs überreichte, zu den emotionalsten Szenen der Sportgeschichte. Und “Invictus” zollt dieser wahren Begebenheit reichlich Tribut. Manchmal ein wenig kitschig, aber immer mitreißend. Auch Morgan Freeman und Matt Damon geben eine gute Vorstellung ab, wobei letzterer sich erfolgreich am südafrikanischen Akzent versucht.

“Invictus” hat eine gute und versöhnliche Story, die aber eine Begebenheit geschickt auslässt: Nach dem WM-Finale beschwerte sich Neuseelands Nationalcoach ausgiebig bei der Presse. Der Mann vermutete eine Verschwörung. Seine Mannschaft war 48 Stunden vor dem Spiel Opfer einer mysteriösen Lebensmittelvergiftung geworden. Das wird in Eastwoods Film nicht ein einziges Mal erwähnt. Muss es aber auch nicht, schließlich ist das Ganze ein Sommermärchen.

DT: Invictus -- Unbezwungen
Deutschlandstart: Ab 18.2.2010 im Kino

Trailer von “Invictus”

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