Baked Beans zum Frühstück, „Verliebt in eine Hexe“ im Fernsehen – der Mond war schon einmal glamouröser als in Duncan Jones Spielfilmdebüt: wenn aus „been there“ „done that“ geworden ist.
Der Mond ist ein Ort der Sehnsucht: besungen, bedichtet – selbst nachdem wir ihn besucht haben. Ron Howards „Apollo 13“ zog viel aus dem Verlangen nach dem Trabanten und der Enttäuschung, seiner beraubt zu werden. In Duncan Jones’ „Moon“ ist er Exil – unattraktiver als eine Bohrinsel, aber ohne Umkleidekabinenhumor. Sam Bell (Sam Rockwell) ist einsam, ein Robinson Crusoe mit kybernetischem Freitag: Gesellschaft leistet ihm der Roboter Gerty, dessen ruhige Stimme (Kevin Spacey) umgehend und mit Schrecken an HAL aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ denken lässt. (Hier der erste Spoiler: Ohne dass es explizit gesagt würde, Gerty beherzigt im Gegensatz zum mörderischen Bordcomputer der Discovery die Robotergesetze* Asimovs.)
Bell ist Mitarbeiter der Lunar Industries Corporation: Er überwacht den vollautomatischen Abbau des Rohstoffs Helium-3, der in der Zukunft alle Energieprobleme der Erde gelöst hat. Er tauscht Container aus und nimmt kleinere Reparaturen vor. Den rührenden Satz seiner kleinen Tochter via Videobotschaft nimmt er so dankbar an wie ein unerwartetes Geschenk: „Daddy’s an astronaut.“ – Sam ist kaum mehr als ein Hausmeister.
Ein Unfall ist der Gamechanger des Films; der findet aber bereits in der ersten halben Stunde statt (zweiter Spoiler): Der verletzte Sam wird von einem anderen Sam geborgen – der im folgenden seine Identitätskrise im Alter Ego gespiegelt sieht.
Die Drögheit des Alltags im All wirkt wie aus John Carpenters „Dark Star“ übernommen; die Idee des Arbeiters in einem Milieu, das bislang Forschern vorbehalten war, kennt man aus Ridley Scotts „Alien“ und James Camerons „The Abyss“; das Innere der Sarang-Mondstation zitiert erneut „2001“. „Moon“ ist allerdings kein wahlloses Best-of der wichtigsten SF-Klassiker des 20. Jahrhunderts, sondern im Gegenteil eine der originellsten Zukunftsvisionen seit langem. Jones opfert sein Doppelgängermotiv niemals billigem Drama, sondern lässt der Prämisse einfach ihren Lauf: Was passiert, wenn ein anständiger Typ sich selbst begegnet?
Sam Rockwell gibt darauf eine brillante Antwort. Sein Job in „Moon“ ist eine Doppelrolle, die keine ist: Er schafft es, die beiden Sams voneinander abzusetzen, ohne ihnen unterschiedliche Persönlichkeiten zu geben. Das ist faszinierendes Handwerk, das bei den Oscar-Nominierungen geradezu eklatant übersehen wurde. Rockwell hat sich endlich in jene schmale Schauspielerriege eingereiht, die man sich in restlos allem ansehen muss.
Das schmale Budget merkt man „Moon“ kaum an, die nüchtern inszenierten Ausflüge auf der Mondoberfläche passen zur trostlosen Arbeitsatmosphäre im Inneren der Station. Wo der Film mit Kreativität statt mit Dollarbündeln punkten kann, tut er das eindrucksvoll: Der Score von Darren-Aronofsky-Spezi Clint Mansell ist hier mindestens so elementar wie das Setdesign.
„Moon“ ist der beste Genrefilm, den 2009 zu bieten hatte. Angeblich arbeitet Jones an einer losen Fortsetzung, die im gleichen Universum wie „Moon“ angesiedelt ist: Ein Detektivthriller mit dem Titel „Mute“, der in einem bladerunneresk verwahrlosten Berlin spielt. Berlin? Like father, like son: Duncan Jones ist der Sohn von David Bowie, der in den Siebzigern einige Jahre dort lebte. Talent ist eben doch erblich.
*Robotergesetze nach Isaac Asimov
1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen (wissentlich) Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschĂĽtzen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.
Deutschlandstart: 29.7.2010
oder als UK-Import auf DVD erhältlich
Trailer von “Moon”






Oh,
der sieht seeeehr interessant aus…
Mal ganz Offtopic: Lou… schon Spidey geguckt?
Leider noch nicht. Am Wochenende waren vier Filme dran und die freundliche Spinne von Nebenan fristed immer noch ein Dasein im Dunkeln meines Rucksacks…
Ich hab gerade die erste Hälfte der ersten Folge durch. Seeehr cool.
Danke nochmal. Die Spinne ist atomar. YAY!
Ich hab Moon letzte Woche gesehen. Das Beste seit langem. Leider etwas zu geradeaus erzählt und dadurch nur eine “1-”.