Kick-Ass: Müder Arschtritt

20. April 2010
By Couchmonster

“Traue keinem Trailer!” Eine alte Weisheit, die sich leider immer wieder bewahrheitet. Auch Matthew Vaughns “Kick-Ass” macht da keine Ausnahme. Sein Superhelden-Film braucht einfach zu lange, um in die kostümierten Puschen zu kommen -- und kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Kick-Ass und Hit Girl warten auf Action. Das Publikum auch.

Dave (Aaron Johnson) ist der klassische Highschool-Nerd: Der schlaksige Lockenkopf trägt Brille, denkt beim Masturbieren an seine MILFige Lehrerin und liebt Comics sowie heimlich seine Mitschülerin Katie (Lyndsy Fonseca). Alles nicht irgendwie spannend und deshalb beschließt der gute Junge, einfach ein Superheld zu werden. Das Kostüm wird im Internet bestellt, heldenhafte Posen vor dem Spiegel geübt und auf geht’s als maskierter Vigilante Kick-Ass zur Verbrecherjagd. Die misslingt selbstredend. Dave wird nicht nur zusammengeschlagen und abgestochen, sondern auch noch vom Auto überfahren. Kick-Ass landet für kurze Zeit im Krankenhaus, leidet fortan unter vermindertem Schmerzempfinden und verfügt dadurch tatsächlich über eine, nun ja, Superkraft -- Kick-Ass ist fortan ein wandelnder Punching-Bag, der, egal wie hart er auf die Fresse kriegt, immer wieder aufsteht.

Sein nächster Auftritt im grünen Kostüm ist deshalb auch weitaus erfolgreicher. Kick-Ass verhindert, dass ein paar üble Typen einen armen Wicht zusammenschlagen. Ein paar Sekunden später ist er auch schon mit der Prügelei auf Youtube , wird zum Medienphänomen und findet zwei Nachahmer -- Big Daddy (Nicolas Cage) und Hit Girl (Chloe Moretz). Gegen das brutale Vater-Tochter-Duo, das sich im Privatkrieg mit dem Gangsterboss D’Amico (Mark Strong) befindet, wirken Batman und Robin wie Bambi & Klopfer. Kick-Ass sieht schnell ein, dass er im Vergleich zu seinen neuen Verbündeten nur ein blutender beziehungsweise blutiger Anfänger im Superheldengeschäft ist.

70 Minuten benötigt “Kick-Ass”, um in Fahrt zu kommen. In dieser Zeit langweilt Regisseur Matthew Vaughn mit einer selten komischen sowie zusammengeschusterten Handlung, die einzig darauf aus ist, die ultimative Fanboy-Fantasie zu befriedigen. Ein paar Lacher, einige geniale Auftritte von Hit Girl und ein kleines “Layer Cake”-Zitat (man achte auf den Wagen in der Schrottpresse) -- mehr haben die ersten zwei Drittel von “Kick-Ass” nicht zu bieten. Was allerdings danach passiert, ist durchaus sehenswert. Man darf nur nicht auf dem drögen Weg dorthin im Kino einschlafen.

In den USA löste “Kick-Ass” einen kleinen Skandal aus. Nicht nur Filmkritik-Guru Roger Ebert von der “Chicago Sun-Times” regte sich darüber auf, dass das süße Hit Girl (gespielt von der damals 11-jährigen Chloe Moretz) ein fieses Schandmaul hat und im Mittelpunkt exzessiver Gewaltszenen steht. Das sei ja unverantwortlich, hieß es. Im Endeffekt sind diese Szenen jedoch das Salz in der sonst ziemlich faden Suppe.

Ob es eine Fortsetzung gibt (der unvermeidliche Cliffhanger ist auf jeden Fall schon mal drin), ist noch nicht ganz klar. Matthew Vaughn wollte sich bislang nicht festlegen, auch wenn der Autor der Comicvorlage, Mark Millar, schon an einem Sequel schreibt. 30 Millionen US-Dollar hat “Kick-Ass” gekostet, knapp 40 Millionen sind bereits eingespielt. Es sieht also ganz gut aus für einen zweiten Teil.

Deutschlandstart: ab 22. April 2010 in den Kinos

Trailer von “Kick-Ass”

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3 Responses to Kick-Ass: Müder Arschtritt

  1. Chas Devlin on 23. April 2010 at 01:11

    Zusammengeschustert .. stimmt! Der Film machte auf mich auch einen eher mäßigen Eindruck: Die Lovestory ist hanebüchen (so flach wie der seiner Alten kann doch kein Charakter sein), es gibt keinen einheitlichen Stil (irgendwas zwischen Spiderman und Kill Bill, gepaart mit der Dilettanz von Daredevil plus beinahe blasphemische “Leon – Der Profi”-Familienromantik), ein geradezu lächerlich bemüht passender Soundtrack (hier geben sich Ennio Morricone und Joan Jett die Hand), _wirklich_ unnötige emotional grausame Gewaltszenen (die ein “Ab 18″ rechtfertigen würden) und vorhersehbarste Handlungsstränge .. Vielversprechend: Der Sohn vom Bösewicht (der könnte das Sequel retten), und der Held sieht aus wie Frodo 2.0.

  2. [...] EDIT: Hier geht’s zur Couchmonster-Review von “Kick-Ass” [...]

  3. homer on 9. Mai 2010 at 16:31

    Kick Ass war action und comedy unterhaltung vom feinsten, auch wenn es ein paar wirklich unnötige szenen gab. die story ist etwas origineller als andere superheldenfilme und auch die charaktere finde ich bei diesem film sehr gut gelungen. Wegen harten und blutrünszigen gewaltszenen istz der film in deutschland erst ab 16 freigegeben, trotzdem würde ich nicht davon sagen das der film gewaltverherlichend ist, sondern realistischer (was z.B. headshots angeht). Lasst euch nicht von dem schlechten trailer blenden, Kick-Ass sollte man gesehen haben, wenn man auf superhelden und comedy steht

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