Treme: Mit großer Leichtigkeit

13. April 2010
By Couchmonster

Endlich: “The Wire”-Schöpfer David Simon hat wieder eine Serie unters Volk gebracht. “Treme” heißt die die neue Show, die derzeit auf HBO läuft und dessen Story drei Monate nach dem verheerenden Wirbelsturm Katrina in New Orleans spielt. Die perfekte Bühne für großartiges Fernsehen.

Gangzeichen vom Meister: David Simon

2005 fegte der Hurrikan Katrina über New Orleans und ließ alle Dämme brechen. Die Stadt, die man auch als “The Big Easy” -- die große Leichtigkeit -- kennt, versank in den Fluten. Drei Monate nach der Katastrophe kämpfen die Einwohner darum, wieder ein wenig Leichtigkeit in den Alltag zu bringen. Es geht für viele ums Überleben. Der Schutt stapelt sich auf den Straßen, fließendes Wasser und Strom sind plötzlich nicht mehr selbstverständlich und in manchen Ruinen liegen wohl auch noch ein paar Leichen herum. Statt “Wie geht’s dir” fragt man in New Orleans zur Begrüßung  inzwischen “Wie geht’s deinem Haus”. Die Antwort darauf ist manchmal hoffnungsvoll und manchmal nur ein barsches “Frag mich bloß nicht nach meinem verdammten Haus”.

Treme (ausgesprochen Treh -- meh) ist einer der ältesten Stadtteile in “The Big Easy”. Der Jazz ist hier genauso zu Hause wie die Armut. Unzählige Charaktere tummeln sich in dieser vom Sturm gebeutelten Gegend. Der Musiker Antoine (Wendell Pierce) kämpft um jeden Dollar. Seine Ex-Frau LaDonna (Khandi Alexander aus “CSI: Miami”) betreibt eine verkommene Kaschemme und macht sich Sorgen um  ihrem vermissten Bruder. Diesen sucht die Anwältin Toni Bernette (Melissa Leo). Ihr Mann Creighton (John Goodman) wird nicht müde, die Schuld für die Katastrophe der Regierung zuzuschreiben. Der Radio-DJ Davis (Steve Zahn) ist harmloser, aber anstrengender Spinner und Heimkehrer Albert (Clarke Peters) plant gegen alle Widerstände die Teilnahme am Mardi Gras Karneval.

“Treme” hat  das gleiche Konzept wie David Simons Krimiklassiker “Homicide: Life on  the Streets” und ”The Wire” sowie das Irak-Kriegsdrama ”Generation Kill”. Die Serie zeigt den Alltag in einer nicht alltäglichen Umgebung. Es passiert nicht viel in der Pilotfolge und trotzdem fesselt die Handlung. Und das liegt wie so oft nicht nur an der vielschichtigen und gut recherchierten Story, sondern auch an dem erstklassigen Ensemble.

Mit Pierce, Peters (beide “The Wire”), Alexander (“The Corner”) und Leo (“Homicide: Life on the Streets”) wurden echte Simon-Veteranen als Schauspieler verpflichtet. Und auch Goodman (der seit Jahren in New Orleans wohnt) sowie Zahn passen hervorragend in die Show. Sogar einige Gaststars leisten sich die Produzenten von “Treme”. So treten in der ersten Folge unter anderen die Musiker Elvis Costello und Kermit Ruffins auf. Der absolute Hauptdarsteller ist allerdings die Musik, die in allen Spielarten -- von Louis Armstrong bis zum Dirty South Rap -- allgegenwärtig ist. 

10 Folgen wurden bislang von “Treme” produziert. Hoffentlich gibt es noch ein paar mehr als Zugabe.

Trailer von “Treme”

Das geniale (was auch sonst) Intro von “Treme”

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