Solomon Kane: Interview mit Michael J. Bassett

14. Mai 2010
By Couchmonster

Der Brite Michael J. Bassett wollte auf keinen Fall einen “Van Helsing” machen, musste mit ansehen wie sich sein Hauptdarsteller fast den Kopf abschlagen ließ und nahm sein Team hart ran – Couchmonster.de interviewte den Regisseur und Autor von “Solomon Kane” via E-Mail.

Michael J. Bassett (links) mit Max von Sydow bei den Dreharbeiten zu "Solomon Kane"

Couchmonster: Der Weg für “Solomon Kane” (siehe Couchmonster-Review) ins Kino war ein langer. Die Rechte an der Figur von  Robert E. Howard hatte man sich bereits 1997 gesichert, Drehbeginn war jedoch erst in 2008. Warum hat es so lange gedauert?

Michael J. Bassett: Da musst du wirklich die Produzenten fragen, warum und weshalb das so lange brauchte. Ich weiß nur, dass die englischen Produzenten Paul und Michael Berrow riesige Fans von Robert E. Howard sind  und schon immer die Figur des “Solomon Kane” auf die Leinwand bringen wollten. Die meiste Zeit verbrachten sie allerdings damit, ein Drehbuch zu finden. Als sie sich mit dem französischen Mega-Produzenten Samuel Hadida (“Resident Evil”-Franchise, “Das Kabinett des Doktor Parnassus”) zusammentaten, bin ich mit ins Spiel gekommen 

Couchmonster:  Wann und wie began die Arbeit für dich an “Solomon Kane”?

Bassett: Das war vor ungefähr drei Jahren. Anfänglich wollten die Produzenten nur jemanden, der ihnen ein anständiges Low-Budget-Script schreibt. Zu dieser Zeit stand bereits fest, dass es sich um eine Art Entstehungsgeschichte handeln sollte. In Robert E. Howards Vorlage wird allerdings nie erklärt, warum Solomon Kane so wurde wie er ist. Für das Publikum ist solch ein Hintergrund jedoch sehr wichtig, weil sie sonst nicht verstehen, warum der Held so grimmig und hart ist. Wir hatten also die Wahl, eine Art “Van Helsing” zu machen, wo nichts erklärt wird oder die Entstehung des Charakters aufzuzeigen und den “wahren” Kane auf die Leinwand zu bringen. Ich war für den letzteren Ansatz und wollte einen ernsthaften Fantasy-Film machen.

Couchmonster: Bist du ein Fan von Robert E. Howard?

Bassett: Ja, seit meiner Teenagerzeit und deshalb habe ich auch sehr, sehr hart gekämpft, um diesen Job zu bekommen. Ich musste den Produzenten beweisen, dass meine Herangehensweise die beste ist. Ich lieferte ihnen eine nicht übermäßig teure Story, die über die Charaktere funktionierte und die einen ziemlich düsteren Anstrich hatte, der meiner Meinung nötig war. Die Regie dann auch noch zu bekommen, war viel schwieriger.

Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt lediglich ein paar Low-Budget-Horrorstreifen gemacht. Da war der Sprung zu einem teuren Fantasy-Film schon ziemlich groß, aber letztendlich konnte ich die Produzenten für mich gewinnen. Dann machte ich aber alle wieder nervös, denn ich sagte ihnen, dass ich einen klassischen, ernsthaften Streifen mit guten Schauspielern machen wollte. Diesen Ansatz hatte man bislang nicht versucht und das war natürlich auch ein Risiko. Nachdem ich mich aber mit den Produzenten darauf geeinigt hatte, bekam ich die volle Unterstützung.

Couchmonster: “Solomon Kane” sollte der Beginn einer Trilogie sein. Gibt es immer noch Pläne für eine Fortsetzung?

Bassett: Wir haben den Film definitiv als ersten Teil einer Serie gesehen. Sonst hätte wir uns auch nicht die Mühe machen müssen, die Charaktere ordentlich einzuführen. Es gibt schließlich zu viele gute Kane-Stories von Robert E. Howard. Da ware es schon sehr schade, nicht weiterzumachen. Aber im Filmbusiness  bestimmt das Geld was passiert. “Solomon Kane” schlägt sich ordentlich an der Kinokasse, kriegt fast überall gute Kritiken und ich hoffe, dass sich auch die DVD gut verkauft. Ich habe meinen Produzenten neulich gefragt, ob wir noch einen “Kane” machen und er hat “Selbstverständlich” geantwortet. Aber das glaube ich erst, wenn es auch so weit ist.

Couchmonster: Warum hast du James Purefoy die Rolle des Titelhelden gegeben?

Bassett: Ich kenne James schon seit Jahren und wollte schon lange mit ihm etwas machen. Wir hatten eigentlich einen Thriller geplant, aber das kam leider nie zustande. Als wir mit dem Casting für “Solomon Kane” begannen, war mir wichtig, dass der Hauptdarsteller ein “echter” Mann ist – und da kommen meiner Meinung nicht besonders viele Briten in Frage. James ist tatsächlich einer von denen, aber er hat für viele wohl einfach zu oft einen hübschen, romantischen Charakter spielen müssen. Ich mochte allerdings seinen grausamen und schmierigen Marc Anthony in der TV-Serie “Rom” und dachte, dass er da noch einen Schritt weiter gehen kann. James ist verdammt fit, kann perfekt reiten und mit Schwerten umgehen. Damit konnte ich arbeiten.

Ich glaube “Solomon Kane” ist bislang seine beste schauspielerische Leistung und er ist sehr stolz darauf, Ich hoffe, dass andere Regisseure ihn jetzt in einem neuen Licht sehen und er seine Zähne in andere saftige Rollen schlagen kann.

Couchmonster: Dauerregen, Kälte und viel Matsch – Bei den Dreharbeiten in Tschechien ging es ziemlich hart zu. Das klingt ja nicht besonders spaßig. Wie war denn die Stimmung am Set?

Bassett: Bei meinen Dreharbeiten geht es immer körperlich anstrengend zu. Ich  mag es, Filme mit möglichst wenig Schummeleien und Effekten zu machen. Deshalb kann es manchmal auch recht anstrengend für Schauspieler und Crew werden. Ich hatte jedoch bislang nur wenige, die sich beschwert haben – und die wurden von mir am nächsten Tag auch nicht mehr ans Set eingeladen.

Es ist sehr wichtig, dass wenn die Drehbedingungen hart sind, man als Regisseur vorweg geht und nichts verlangt, was man nicht auch selber tun würde. Das gilt auch für den Hauptdarsteller. Glücklicherweise ist James Purefoy so einer und er hat alle physischen Herausforderungen ohne Murren erduldet. Er war immer entspannt, charmant und in dem wichtigen Momenten enorm konzentriert. Diese Einstellung ging auch auf den Rest der Truppe über. Wenn der Star nicht rumzickt, dann dürfen die anderen sich schließlich auch nicht anstellen.

Couchmonster: Stimmt es, dass James Purefoy sogar ein wenig zu beherzt in den Schwertkampf ging?

Bassett: Ja,  James hat sich beim Kämpfen eine ordentliche Wunde an der Stirn geholt. Das war einfach schlechtes Timing. Als er zu Boden ging dachte ich, dass James und mein Film nun in echten Schwierigkeiten sind, aber trotz eines fiesen Blutschwalls war das dann doch alles nicht so schlimm und am nächsten Tag konnte wieder gearbeitet werden. Es hat uns allerdings ein wahres Vermögen gekostet, die Stiche und das Pflaster auf der Stirn in der Postproduktion digital zu entfernen.

Couchmonster: Die wichtigste Frage … kommt “Solomon Kane” auch in die deutschen Kinos?

Bassett: Constantin Film hat sich die Vertriebsrechte an “Solomon Kane” gesichert. Wenn ich das richtig verstehe, dann planen sie auch den Streifen Ende des Jahres in die Kinos zu bringen, aber wir haben derzeit seltsame Zeiten und ich will keine Versprechungen machen. Ich hoffe aber, dass das klappt und ihr “Solomon Kane” zu sehen bekommt – der Film ist definitiv für die große Leinwand gemacht.

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4 Responses to Solomon Kane: Interview mit Michael J. Bassett

  1. ancore on 14. Mai 2010 at 18:33

    Sehr schönes und aufschlussreiches Interview. Jetzt weiß ich auch, warum mir Marc Anthony so bekannt vor kam – er hat schon in Resident Evil gespielt.

  2. Couchmonster on 14. Mai 2010 at 21:29

    Mist.. sehr viele Recht- und Flüchtigkeitsfehler meinerseit in diesem Interview. Sorry dafür …

    @ancore: Danke. In welchem “Resident Evil” musste er denn ran?

  3. [...] Autor und Regisseur Michael J. Bassett (siehe Couchmonster-Interview) ist das Fantasy-Genre endlich wieder um einen guten Film reicher. Und dafür benötigte der Brite [...]

  4. ancore on 17. Mai 2010 at 13:15

    Im ersten Resident Evil, bei dem Paul W. S. Anderson noch selbst Regie geführt hat. Alles danach taugt nicht wirklich was.

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