Immanuel Kant goes Guantanamo: Wie weit darf man gehen, um Menschenleben zu retten? In dem brillanten Low-Budget-Thriller “Unthinkable” zelebriert Samuel L. Jackson seine Philosophie der angewandten Verhörkunst.
Es hätte einfach ein weiterer stupider Folter-Porno im Stile von “Hostel” sein können. Oder nur ein langweiliger 08/15-Wir-haben-doch-keine-Zeit-Actionfilm. Weder noch. “Unthinkable” von Regisseur Gregor Jordan ist alles andere als das. Die Geschichte von Autor Peter Woodward geht unter die Haut, fesselt und lässt einen nicht zur Ruhe kommen. Hier geht es nicht um die pure Zuschaustellung harscher Verhörmethoden, sondern um deren Sinn und Berechtigung.
In “Unthinkable” versteckt ein sympathischer Islamist (sehr gut: Michael Sheen aus “Frost/Nixon”) drei tickende Atombomben in US-amerikanischen Großstädten, dreht dazu ein charmantes Bekennervideo und lässt sich kurz darauf von den Behörden festnehmen. Das Militär übernimmt den schwierigen Fall und versucht mit vielerorts erprobten Gesprächstechniken wie Waterboarding, Schlafentzug und lärmiger Rockmusik herauszufinden, wo die Sprengkörper deponiert sind. Vergeblich. Der Terrorist schweigt. Und hier kommt ein netter Herr (Samuel L. Jackson) mit dem Spitznamen “H” ins Spiel.
Für “H” heiligt der Zweck die Mittel. In diesem Fall Finger abhacken, Prügel, Elekroschocks und vieles mehr. Seine Kundschaft darf sich seiner ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Bürgerrechte existieren für den lieben Familienvater nicht und er ist es gewohnt, dass alle solange weggucken bis der nötige Erfolg sich eingestellt hat. Seinen moralischen Gegenpart übernimmt die FBI-Agentin Helen Brody (Carrie-Anne Moss aus “Matrix”). Sie soll eigentlich nur die Bomben finden, doch ihrer Meinung findet ein weiteres Verbrechen vor ihren Augen in der Folterkammer des “H” statt.
Spannend, intelligent und überraschend: “Unthinkable” ist ohne Zweifel einer der besten Thriller des Jahres. Ein (Folter)Kammerspiel, das definitiv diskussionswürdig ist. Sollte man nun foltern? Ja, nein oder doch nur vielleicht? Und Samuel L. Jackson darf sich dank einer genialen schauspielerischen Leistung in die Reihe solch charismatischer Sadisten wie Sir Laurence Olivier (“Marathon Mann”) und Michael Madsen (“Reservoir Dogs”) einreihen.
Muss man sehen. Augen zu und durch!
Deutschlandstart: bislang kein Verleih. Wahrscheinlich geht “Unthinkable” direkt in die Videotheken.
Trailer zu “Unthinkable”






Bei dem Setting bin ich ja versucht zu sagen: man darf
Aber auch nur versucht, natürlich. Scheint ein Pflichtfilm zu werden, ich freue mich.
Hab den Film schon 2 mal gesehen und lohnt sich auf jedenfall!
[...] Unthinkable [...]