Im Vergleich zu den Eigenproduktionen “Mad Men” und “Breaking Bad” wirkt AMC’s neue Serie “Rubicon” reichlich unspektakulär. Hier gibt es weder heiße Sekretärinnen, noch pädagogisch wertvolle Drogendealer zu sehen. Dafür kommen Verschwörungstheoretiker und Freunde von 70er-Jahre-Spionagethrillern voll auf ihre Kosten.
Schon das Setting von “Rubicon” ist eine Hommage an “Die drei Tage des Condor” von Sydney Pollack. In dem Thriller aus dem Jahre 1975 verdient sich Robert Redford seinen Unterhalt als CIA-Analyst in einem schmucklosen Büro in New York. Die Arbeit ist sterbenslangweilig und doch streng geheim. Redford untersucht ausländische Romane nach versteckten Hinweisen und möglichen Ideen für Geheimdienstaktionen. Als er tatsächlich mal was findet, kommt ein Killer und richtet ein blutiges Massaker in der gottverlassenen CIA-Außenstelle an. Erst danach wird das Leben des Analysten ein wenig aufregender.
Will Travers (James Badge Dale aus “The Pacific”) führt ein ähnliches Leben wie Redfords Charakter. Auch er ist Analyst für den Geheimdienst, seine unprätentiöse Dienststelle liegt ebenfalls in New York und scheint seit den 70er-Jahren nicht mehr modernisiert worden zu sein. Statt mit dem Computer arbeitet man lieber mit Haufen von Zetteln, Aktenordnern und benutzt tatsächlich das Telefon. Es gibt sogar echte Meetings in denen geredet wird. Analoge Agentenarbeit halt. Und wenn man doch mal die moderne Technik braucht, dann geht man zum Inder, der unten im dunklen Keller am Server arbeitet. Der hat allerdings noch einen Grünmonitor.
Auch Travers stößt zufällig auf etwas, was er besser nicht gefunden hätte – einen geheimnisvollen Code in den Kreuzworträtseln zahlreicher Tageszeitungen. Als er seinem Boss und Ziehvater davon erzählt, kommt dieser einen Tag später ums Leben. Und auch der Tod eines Milliardärs steht mit der versteckten Botschaft im direkten Zusammenhang. Mit Hilfe des ausgemusterten Codeknackers Bancroft (Roger Robinson) kommt Travers einer mysteriösen Verschwörung auf die Spur – und steht plötzlich selber unter Beobachtung.
“Rubicon” wird erstaunlich langsam erzählt. Die verschiedenen Handlungsstränge werden sorgsam aufgebaut und kreischige Cliffhanger im Stile von “24″ haben hier keine Chance. Stattdessen wird grauer Spionagealltag ohne Hightech-Gimmicks und Actionsequenzen erzählt. Völlig entschleunigt und mit zahlreichen Anleihen bei 70er-Jahre-Thrillern wie “Der Dialog”, “Die Unbestechlichen” und “Zeuge einer Verschwörung”.
Die Serie ist voll von interessanten Charakteren: Der sinistre Kale Ingram (genial: Arliss Howard), der alles im Blick hat. Travers Teamkollegen Grant (Christopher Evan Welch), Miles (Dallas Roberts) und Tanya (Lauren Hodges), die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und natürlich der schrullige Spangler (ebenfalls genial: Michael Cristofer), der nicht nur Travers Oberboss ist, sondern auch bei den Verschwörern ordentlich mitmischt.
“Rubicon” ist eine wohltuende Abwechslung in der Serienlandschaft. Eine Art “The Wire” in der Welt der TV-Spione. In der Ruhe steckt die Kraft der Handlung, die zu einer entspannten Paranoia führt und einen relativ schnell in ihren Bann zieht. Bleibt nur zu hoffen, dass der Serie nicht das gleiche Schicksal wie “Lost” widerfährt und es am Schluss mehr Fragen als Antworten gibt.
Trailer zu “Rubicon”
Der verschwörerische Vorspann von “Rubicon”
httpvh://www.youtube.com/watch?v=6ZVPM88m-58&feature=related
Interviews mit dem Cast zu ”Rubicon”








Pingback: Couchmonster 2010: The Good, the Bad and the Ugly | Couchmonster