Sherlock: “You were thinking … it’s annoying!”

23. August 2010
By Couchmonster

Just wenn man glaubt, dass ein Thema komplett ausgelutscht ist, kommt die BBC und belehrt einen eines Besseren. Deren Neuinterpretation des berühmten Detektivs aus der Baker Street ist kein simples Remake, sondern eine göttliche Wiederauferstehung.

Besser als Waldorf & Statler.

Arroganter geht es eigentlich nicht mehr. Und die Wörter “Sozial inkompatibel” sollten auf seiner Stirn stehen. Der Sherlock Holmes aus dem Jahr 2010 ist einfach ein gemeines Arschloch und doch so ungemein unterhaltsam, witzig und schlagfertig, dass man sich wünscht, es gäbe schon mehr als nur drei 90-minütige Episoden mit dem kauzigen Ermittler.

Benedict Cumberbatch spielt diesen rüden Inselbegabten, der so völlig Amok mit seiner kompromisslosen Logik läuft und weder Freund noch Feind kennt. Ihm zur Seite steht -- meist verstört -- Martin Freeman (“The Office”) als Dr. Watson. Ein perfektes Paar. Während Sherlock mit seinem Smartphone Pressekonferenzen sprengt, vor Langeweile in seiner Wohnung Löcher in die Wand schießt sowie sich überall möglichst unbeliebt macht, versucht der Mediziner immer wieder die Wogen zu glätten und erledigt undankbare Botengänge für den Meisterdetektiv.

Natürlich lösen die beiden auch Kriminalfälle. Vom sehr mobilen Serienkiller bis zur chinesischen Geheimorganisation -- in “Sherlock” hat das Böse viele Gesichter. Natürlich auch das von Holmes Erzfeind Prof. Moriarty, der zwar irgendwie ständig durch Londons Gassen wandelt, aber erst so richtig in Folge 3 in Erscheinung tritt. Dann allerdings mit einem lauten Knall.

Die beiden “Dr. Who”-Legenden Steven Moffat und Mark Gatiss (spielt auch den ebenfalls nicht ganz einfachen Mycroft Holmes in “Sherlock”) entwickelten den genialen Neuaufguss der Figur von Sir Arthur Conan Doyle. Dank ihnen ist die BBC-Serie nicht nur witzig, sondern auch spannend. Mit der literarischen Vorlage gehen die beiden Autoren recht frei um und scheuen sich auch nicht, mal auf die eine oder andere Ungereimtheit aus der Feders Doyles hinzuweisen. Und die mögliche sexuelle Orientierung der Hauptfiguren wird auch gleich diskutiert.

Ende August erscheint die DVD-Box von “Sherlock” in Großbritannien. Dann wird man nicht nur in den Genuss der ersten drei Folgen kommen, sondern sich auch den 60-minütigen Pilotfilm ansehen dürfen. Dieser kostete angeblich 800.000 Pfund, wurde aber niemals von der BBC ausgestrahlt. Zum Glück hat der Sender noch ein wenig Geld übrig … eine neue Staffel von “Sherlock” ist bereits in Auftrag. Nach dem Cliffhanger der dritten Folge wäre alles andere eine Frechheit gewesen.

Trailer von “Sherlock”

Interview Benedict Cumberbatch

Interview Martin Freeman

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2 Responses to Sherlock: “You were thinking … it’s annoying!”

  1. [...] ran, die Super-Antihelden von “Misfits” gaben in zwei Staffeln absolut Vollgas und mit “Sherlock Holmes” (kommt dieses Jahr in der ARD) gelang der BBC ein Meilenstein in guter [...]

  2. ancore on 21. April 2011 at 01:59

    Der Pilotfilm ist einfach grandios! Ich habe selten so eine gute Adaption gesehen. Das war reinstes Kino-Niveau. Die zweite Folge zieht sich etwas, ist aber immer noch sehr unterhaltsam. Ich freue mich auf mehr.

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