Glee: Größer als die Beatles

25. Januar 2011
By André Depcke

Endlich hat der mehrfach mit dem Emmy- und Golden-Globe-Award ausgezeichnete US-Serienhit „Glee“ den Weg ins deutsche Fernsehen geschafft. Super RTL zeigt derzeit die erste Staffel der Fox-Show immer montags zur Prime-Time. In den USA brach „Glee“ in den vergangenen Jahren Rekorde – und das mit dem eher ungewöhnlichen Konzept „Comedy trifft Musical“.

Keine Angst, die wollen nur singen.

Auf den ersten Blick wirkt „Glee“ wie eine dieser oberflächlichen, auf Hochglanz getrimmten High-School-Serien mit den üblichen Klischees. Selbstverständlich inklusive der klassischen Rollenverteilung vom schüchternen Außenseitern bis zum coolen Sportler und kitschigen Teenager-Dramen. Auch der Plot der Serie klingt nicht besonders kreativ: Lehrer Will Schuster (Matthew Morrison) will mit einer Handvoll kauziger Sonderlinge an die großen Erfolge des Schulchors längst vergangener Zeiten anknüpfen. Die herrische Trainerin der Cheerleader, Sue Sylvester (Jane Lynch) versucht dies immer wieder zu verhindern. Zum Glück hat „Glee“ hinter der glatten Fassade weitaus mehr zu bieten. Die Show bedient sich der üblichen Highschool-Mythen, um sie gekonnt zu karikieren.

Die sympathischen Charaktere von “Glee” brechen schnell mit den ihnen vorgegebenen Rollenmustern. Und sind durchweg gelungen. Bestes Beispiel ist Finn Hudson (Cory Monteith), der achso toughe Quarterback des Football-Teams. Der junge Mann hat eine große Leidenschaft, die so überhaupt zum Image des Sportstars passt: das Singen. In vielen Serien würde sich ein „Outing“ sicherlich über mehrere Folgen, ja wenn nicht Staffeln hinziehen. In „Glee“ macht Finn jedoch gleich zu Beginn der ersten Staffel reinen Tisch – eine sehr angenehm Tatsache. Weitere hervorzuhebene Charaktere: Vertrauenslehrerin Emma Pillbury (Jayma Mays), die mit ihrem Hygienetick gleich doppelt niedlich ist, der extravagante Modefreak Kurt Hummel (Chris Colfer) sowie Wills luxussüchtige Ehefrau Terry Schuester (Jessalyn Gilsig). Und natürlich die bereits erwähnte Sue Sylvester.

Die Musical-Einlagen der Serie funktionieren sensationell gut – auch wenn einem sonst bei „Das Phantom der Oper“ oder „West Side Story“eiskalte Schauer über den Rücken laufen. Das liegt in erster Linie daran, dass meist aktuelle Pop-Songs zum besten gegeben werden – von Madonna bis Kanye West. Und diese Neuinterpretationen verkauften sich in den USA wie verrückt. Ganze 75 Songs des „Glee“-Ensembles schafften es in die US-Charts. Mehr können nicht einmal die Beatles vorweisen. Zudem landeten alle fünf Alben der Serie in den US-Top-5.

Ob „Glee“ den gewünschten Imagewandel von Super RTL einläuten kann, mag bezweifelt werden. Auch Zuschauerrekorde wie in den USA, etwa mit der Episode, in der Britney Spears eine Gastrolle spielte, dürften hierzulande ausbleiben. Egal. Bei einer eventuellen Absetzung oder Verfrachtung der Serie ins Nachtprogramm muss halt die DVD-Box herhalten.

Deutsche Ausstrahlung: “Glee” läuft derzeit jeden Montag auf SuperRTL um 20.15 Uhr.

Couchmonster-Autor André Depcke arbeitet eigentlich für PRINZ und schreibt dort auch die TV-Kolumne.

Trailer “Glee”

Gwyneth Paltrow zu Gast bei “Glee”

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